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Erlauben Sie eine (kritische) Bestandaufnahme

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Erlauben Sie eine (kritische) Bestandaufnahme: Wo stehen wir heute mit unserem Gesundheitssystem in Deutschland?

Fachkompetenz und Zeit, unser kostbarstes Gut
Wir alle, Ärzte, Mitarbeiter und Krankenkassen wollen unsere Patienten bestmöglich versorgt wissen.

Wir Ärzte bilden uns fort, überprüfen wissenschaftliche Ergebnisse auf verwertbare Informationen und haben nur eine Sorge, dass es irgendwo eine effiziente Diagnostik oder Therapie gibt, die wir noch nicht kennen und deshalb unseren Patienten vorenthalten.

Unsere Mitarbeiter ziehen am gleichen Strang. Sie halten uns Ärzten den Rücken frei indem sie Voruntersuchungen durchführen, bei Therapien assistieren und in der Organisation mitarbeiten.

Die Krankenkassen bilden die wirtschaftliche Basis. Ohne eine Kooperation der Versicherungen mit den Ärzten, gerade bei Innovationen, gibt es keinen finanzierbaren Fortschritt.

Moderne Augenheilkunde ist ein innovatives Fach
Ein positives Beispiel ist die Versorgung gerade der alten Menschen bei Durchblutungsstörungen des Auges, der Makuladegeneration. Die Diagnostik und Therapie dieser weit verbreiteten Erkrankung absorbiert einen großen Teil unserer medizinischen Kapazität. Der Lohn ist ein Rückgang der Erblindung bei Makuladegeneration um über 60%. Viele Menschen können lange Jahre selbstbestimmt in ihrer Wohnung bleiben und werden kein Pflegefall. Für diesen enormen medizinischen Erfolg müssen wir viel Zeit investieren. Nicht die Diagnostik und Therapie sind die großen Zeitfresser, sondern die gesamte Verwaltung und Dokumentation. Ungefähr 50% der aufgewendeten Zeit fließt in Tätigkeiten, die uns an der Behandlung der Patienten hindern.

Der Arzt ist immer weniger Arzt, sondern mehr und mehr Verwaltungsfachkraft und Reklamationsbearbeiter.

Die Deutschen und ihre negative mediale Darstellung
Wir Deutschen sind ein Staat, eine Bevölkerung, die nie zufrieden ist. Anstatt über die Erfolge im Gesundheitswesen und über neue Therapien zu informieren, erfinden die Medien lieber Kritik – verkauft sich diese besonders gut? Das neueste Beispiel ist die angebliche Todesrate in den Krankenhäusern. 19.000 Patienten sollen, laut Nachrichtenticker der AOK, jedes Jahr an ärztlichem „Pfusch“ sterben. Ein leiser Zweifel kommt auf, ist das Leben nicht irgendwie grundsätzlich endlich??? Überall ist nur noch die Rede von Fehlern im Gesundheitswesen, von Profitjägern und ruchlosen Wesen, die um des schnöden Mammons willen die Gesundheit der Patienten gefährden. Den Kassen wird vorgeworfen, dass sie bei der sog. Kodierung von Erkrankungen in den Krankenhäusern Schulungen durchführen, die den Anteil an besonderen Krankheiten, wie z.B. dem Diabetes, zu einer ungeahnten Häufigkeit verhelfen. Neu in den Medien sind eine kritische Analyse der Rabattverträge und die dadurch bedingte völlig unnötige Versorgung mit wechselnden Medikamenten. Dann gibt es noch sogenannte Gutachten, die dem deutschen Gesundheitswesen Unterdurchschnittlichkeit attestieren. Da wird verglichen, was man nicht vergleichen kann. Allein ein wesentlicher Teil der sogenannten „überflüssigen Arztbesuche“ resultiert aus der gesetzlichen Vorgabe der Krankschreibung.

Erfolg: der Patient ist verunsichert
Auf dieser Basis erleben wir einen zunehmend mehr misstrauischen Patienten, der in der ständigen Angst lebt, die notwendige Medizin nicht mehr zu bekommen oder permanent falsch behandelt zu sein. Es resultiert das „Doktor-hopping“ zur Erlangung einer Zweit-, Dritt- und Viertmeinung. Die Schlichtungsstellen für die Überprüfung von vermuteten Behandlungsfehlern werden mit Eingaben überschwemmt. Eine stetig steigende Patientenanzahl lässt sich gleich die Karteikarte ausdrucken und liefert sie einem Rechtsanwalt ab. Die Rechtsschutzversicherung macht es möglich, USA hat es uns vorgemacht. Patienten werden auf gewissen Kassenwebseiten aufgefordert, anonym sogenannte Missstände zu melden. Woran erinnert uns das? Einen immer größeren organisatorischen Zeitanteil muss der Arzt für seinen „Selbstschutzbereich“ aufwenden. Darauf kann man sich im täglichen Praxisalltag einstellen, aber immer weniger Zeit steht für die eigentliche ärztliche Tätigkeit zur Verfügung.

Wer bezahlt was?
Wir erleben einen Kampf um die Ressourcen im Gesundheitswesen. Unter diesen Vorgaben kann man von Seiten der Politik populistisch sicher fordern, dass jeder Patient innerhalb von 4 Wochen einen Arzttermin bekommen soll. Das ist für bestimmte Fachrichtungen jedoch nur möglich, wenn sogenannte Zeitfresser im Gesundheitswesen eliminiert werden. Sonst muss die Anzahl der Beschäftigten/Mitarbeiter deutlich ansteigen, mehr Ärzte müssen akquiriert werden. Woher sollen die kommen und wer übernimmt die Kosten?

Das Beispiel der 4-Wochenfrist ist nicht überall anzuwenden, es ist einfach untauglich und dient wie Vieles in der öffentlichen Darstellung der Verunsicherung und Diskriminierung der Ärzte und Praxen. Bei Medical Eye-Care erhält jeder Patient einen Wunschtermin, die gemeinsame Anstrengung des Teams macht (fast) alles möglich.

Vertrauen braucht eine ruhige und beständige Basis
Ein Paradigmenwechsel ist dringend notwendig. Die in dem Klima des Misstrauens nötige, weil juristisch geforderte, „Überdokumentation“ muss auf ein sachlich nötiges Maß zurückgeschraubt werden. Uns stellt sich die Frage: „Gibt es eine Politik, die uns Ärzten wieder Zeit für die Patienten gibt? Gibt es eine Politik, die gegen das Klima des Misstrauens ein Vertrauen aufbauen kann?“ Sonst müssen wir uns die kritische Frage stellen: Arzt in Deutschland, ist das unter diesen Vorgaben noch ein lohnendes Berufsziel?

Es grüßt Sie in augenärztlicher Verbundenheit, mit trotzdem Spaß an der Arbeit, mit und um den Patienten,
Ihr

Dr. med. Udo Heuer